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Blog vom 25.06.2012 - über Geld

"Laß Dein Geld arbeiten!" Dieser Satz kam mir immer sehr komisch vor. Aber wenn Geld Geld verdienen kann, wie in unserem System, dann ist er schon irgendwie richtig. Bei Google unter "Geld" kann man lernen, daß man Geld erschaffen kann, indem man einen Kredit aufnimmt. Sie haben richtig gelesen: In der merkwürdigen Welt der Banker ist ein Kredit die Erschaffung neuen Gelds. Aber nur dann, wenn der Kredit von einer Bank kommt. Wenn Sie Ihrem(r) Freund(in) Geld leihen, wird nichts erschaffen. Das geht ungefähr so: Wenn die Bank einen Kredit vergibt, hat sie die Summe auf der aktiven Seite, weil der Schuldner ja schuldet, und kann sich damit weiteres Geld leihen, z.B. von anderen Banken oder der Zentralbank. Egal ob sie das tut, sie hat auf der Habenseite jetzt mehr als vorher. Der Kreditnehmer kann genauso viel von der Bank abheben und ausgeben, also existiert dasselbe Geld zweimal, voila: Es wurde neu erschaffen. Das gilt natürlich nur als Buchung, deswegen heißt es "Buchgeld", also keine Scheine und Münzen. Die kann nur die Zentralbank neu erschaffen, indem sie es produzieren läßt. Eine Schätzung besagt,daß nur 5% des im Umlauf befindlichen Geldes Scheine oder Münzen sind, der Rest sind Zahlen auf den Konten, die im Computer gespeichert sind. Irgendwie beschleicht einen da ein ungutes Gefühl.

Gehen wir die Sache einmal von der anderen Seite an. Ich will ein Häuschen haben. Wenn ich darauf spare, kann ich es mir mit 70 kaufen. Das ist ziemlich frustrierend, also leihe ich mir das Geld bei der Bank und zahle nebst Zinsen das geliehene Geld im Lauf der Zeit zurück. Das ist - mit Verlaub - ein faires Geschäft. Daß die Bank dabei ordentlich verdient, hat sie zwar meiner Ansicht nach nicht verdient, aber sei's drum, fürs Erste.

Geld wurde erfunden, weil es praktischer ist, das was man braucht, gegen etwas zu tauschen, was keinen direkten Nutzen hat, aber allgemein als Tauschobjekt anerkannt ist. Und mit dem man, dann wieder etwas ganz Anderes tauschen kann. Wenn ich Stühle herstelle und will sie gegen Nahrung eintauschen, wird's schwierig, weil der Nahrungsmittelhersteller nicht so viele Stühle braucht. Dazu kommt noch eine weitere wichtige Funktion: Der Handel, der die Dinge zum Verbraucher bringt, so daß er nicht herumreisen muß, statt zu arbeiten. Der Händler verdient durch die Differenz zwischen Einkauf und Verkauf. Er hat aber auch hohe Kosten, weil er erst einmal kaufen muß und dann auch noch transportieren (Logistik = Lagerhaltung, Transport und Verteilung).

Trotzdem hat der Händler im allgemeinen recht gut verdient und sieht das viele schöne Geld. Wie der Zufall so will, traf er einen Menschen, der gerade knapp bei Kasse war, aber unbedingt Stühle haben wollte. Die Idee des Kredits war geboren. Dafür wollte der Kreditgeber aber auch etwas haben für sein schönes Geld. Das nennt man Zins. Begründet hat er den Zins auch mit dem Risiko, das er hat, wenn der Andere nicht zurückzahlen kann. Irgendwann hat der Händler sich gesagt, was soll ich noch mühsam handeln, mein Geld arbeitet doch für mich - siehe oben. Diese neue Art des Gelderwerbs nennt man Bank.

Der Bänker hatte einen Geistesblitz, da er ja sonst nicht viel zu tun hatte: Wenn ich noch mehr Geld hätte, könnte ich noch mehr verleihen und noch mehr verdienen. So gedacht, fragte er andere Menschen, ob sie nicht übriges Geld hätten und damit verdienen wollen. Er würde es auch gut für sie aufheben. Er bezahlte ihnen dafür auch Zinsen, natürlich niedriger als seine Kreditzinsen. So verdiente der Bänker immer mehr, vor allem, weil er auch Filialen aufmachte, um noch mehr Menschen zu erreichen. Da der Bänker auch dem Staat und großen Unternehmen Geld lieh, wurde er irgendwann einmal systemrelevant. (Daher muß er auch vom Steuerzahler gerettet werden, wenn er sich mal verzockt und nicht mehr genug übrig hatte, um die Sparer auszuzahlen. Man nennt das Verstaatlichung des Verlusts und Privatisierung des Gewinns - praktisch, denn dann kan man beruhigt etwas riskieren, um die eigenen Boni zu erhöhen!)

Dann hatte der Bänker noch eine Idee: Wenn ich noch mehr Menschen zu einem Häuschen verhelfe, ist denen gedient und mir auch. So konnte bald jeder ohne eigenes Geld ein Häuschen kaufen (in den USA). Leider sank der Preis der Häuschen wegen einer kleinen Wirtschaftflaute und die Menschen konnten auch die Raten nicht mehr zahlen. Hoppla, dachte der Bänker, ich hab's zuerst gemerkt, da schnür ich doch ein Paket und verkaufe die Hypotheken günstig an eine andere Bank (z.B. die HypoRealEstate in Deutschland). Dumm gelaufen für die deutsche Bank.

Aber die Bänker hatten noch mehr Ideen. Zum Beispiel diese: Ich verkaufe Werte an andere Menschen und verpreche eine hohe Rendite. Dabei gehören mir diese Werte noch gar nicht, sondern ich werde sie erst zu einem späteren Termin erwerben. Weil ich vermute, daß die Werte fallen werden, mache ich ein Riesengeschäft. Diese sogenannten Leerverkäufe sind zwar riskant, aber der Gewinn kann riesig sein. So "wetten" heute viele auf die griechischen Staatsanleihen. Oder andersherum: Sie kaufen sofort und verkaufen erst viel später, weil sie z.B. wissen, daß der Getreidepreis steigen wird. Sie wissen es nicht nur, sondern sie machen es so, denn wenn sie viel Getreide haben, das nur da liegt und kein Brot daraus gemacht wird, wird es knapp und der Preis steigt tatsächlich.

Mittlerweile kann man eigentlich nur ordentlich Geld verdienen, wenn man mit Geld spekuliert. Aber selbst wenn Sie nur 1 Million haben und diese konservativ, sagen wir für 5% sicher anlegen, fällt jedes Jahr ein kleiner Betrag von € 50.000,- an, ohne was zu tun. Geld arbeitet also wirklich. Und das recht ordentlich, wenn, ja wenn man selbst Geld hat. Woher diese Gewinne kommen, kann man nur erraten: Letztlich doch von den Dummen, die nicht ihr Geld arbeiten lassen, sondern selbst arbeiten. Wenn Sie kein Geld haben und einen Kredit brauchen, kriegen sie ihn nicht, weil Sie ja kein Geld haben. Dank BaselII und BaselIII darf ihnen die Bank dann gar nichts geben. Klingt pervers? Ist es auch! Das alles führt, ohne Arbeit dazu, daß die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer. Irgendwas stimmt mit dem System nicht. Und es hat sich doch so gut angelassen.

Wie man es ändern kann? Eigentlich ganz einfach. Man muß "nur" die Spekulation unterbinden und die Kreditvergabe - den eigentlichen Sinn der Banken - leichter und günstiger machen. Die Rendite von Banken ist schlicht unnötig, sie sind schließlich keine Firmen, die irgendetwas herstellen, was der Mensch braucht. Warum es nicht so gemacht wird, ist auch einfach zu erklären: Die, die damit viel Geld verdienen, haben auch Geld für eine gute Lobby (und nebenbei auch für teuere und gute Werbung: "Leistung aus Leidenschaft" gibt es seit vielen Jahren zur besten Sendezeit im Fernsehen - "Leistung" und "Kreativität" bei Banken, das können sich auch nur Werbeagenturen einfallen lassen. Und dann werben sie auch noch mit den "0" Gebühren fürs Konto, als ob das etwas ausmachen würde). Die Banken halten ja angeblich die Wirtschaft in Gang. Und überhaupt, es geht ja schon deswegen nicht, weil die anderen nicht mitmachen. So wartet man wohl auf den nächsten Crash oder viel schlimmer: auf eine richtige Revolution.

Was hat das mit unserem eigentlichen Thema, dem Gehirn zu tun? Gar nichts, wenn man davon absieht, daß es sich immer lohnt, ein System zu durchschauen und daß man dazu sein Gehirn benötigt. Ich muß hier resignieren und mich damit trösten, daß ich weiß, warum es so ist. Und ich muß nicht mehr auf das dumme Geschwätz vieler Finanzmarktkoryphäen hören und rätseln, was sie mir erzählen und uns dauernd weißmachen, wie wichtig das alles ist und das man das System erhalten muß. Guten Abend!

copyright Friedrich Haugg


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