>> Zurück

Blog vom 02.07.2012 - über die Demenz

Wenn Sie ''Demenz'' googlen, finden Sie über 5 Millionen Treffer. Das sagt viel über die Ängste der Menschen aus, sofern sie erwachsen sind und schon einiges an Erfahrung gesammelt haben. Demenz ist der Oberbegriff für alle Erscheinungen des geistigen Defizits mit einer Fülle von Ursachen und vielfältigen Behandlungsmethoden. Die Forschung steht noch am Anfang und deswegen haben die Gurus Hochkonjunktur. Auch die spannende Frage, ob man vorbeugen kann, erzeugt eine unüberschaubare Menge von Ratschlägen und Verwirrung.

Maßvoller Sport, gesunde Ernährung und Gehirntraining stehen wahrscheinlich zu Recht immer im Vordergrund. Aber es gibt auch spezielle Studien, wie die der positiven Wirkung von Rotwein, Kaffee oder Tabakgenuß. Also, was nun und was tun? Als allererstes: Machen Sie bloß keinen Demenztest, wie er vielfach im Internet angeboten wird. Diese Tests sind sehr fragwürdig und können nur Eines erreichen: Sie werden verunsichert und ängstlich, auch wenn Sie gar nichts haben. Wenn Sie Namen vergessen oder nicht mehr wissen, wo sich der Hausschlüssel befindet, ist das wahrlich noch kein Grund zur Sorge. Das geht jedem so und hängt meistens damit zusammen, daß man sein Denken auf etwas Anderes konzentriert hat und der entsprechende Zusammenhang gerade nicht verfügbar ist. Das macht das Gehirn nämlich auch: Etwas Ausblenden, wenn es gerade mit etwas Anderem voll beschäftigt ist. Wenn Sie sich mit einem großen Problem befassen müssen, werden sie merken, daß die bemerkten ''Defizite'' viel größer sind.

Erheiternd finde ich die Aussage, daß der Hauptrisikofaktor für Demenz das Lebensalter ist. Klar, wenn Sie mit 20 im Krieg erschossen werden, haben Sie nicht das geringste Risiko. Gottseidank werden wir aber durch die Abwesenheit von Krieg und Anwesenheit guter Lebensumstände mittlerweile ziemlich alt. Und zwar so alt, daß unsere klassischen Rollen: Kind, Lernender, Eltern sein und Beruf ausüben schon lange vorbei sind und wir immer noch prima leben. Genau da liegt der Schlüssel zur Demenzfrage. Die Neurologie gibt Aufschluß:

Wacher Geist hat mit der Bildung von Verknüpfungen der Abermilliarden von Neuronen zu tun, die wir haben. Sie werden im Laufe der Lebenszeit durch unbewußte Vorgänge im Gehirn gebildet. Man nennt das Erfahrung und Können. Sie könnten niemals Autofahren, wenn die grundsätzlichen Vorgänge beim Kuppeln, Schalten, Bremsen, Gas geben oder in den Spiegel schauen nicht weitgehend unbewußt abliefen. Und das gilt für nahezu alle Standardabläufe im Leben. Es wäre viel zu kompliziert, wenn man alles bewußt machen und neu ''erfinden'' müßte. Im Alter hat man natürlich einen riesigen Vorrat solcher Handlungsmuster angehäuft. Sie haben sich bewährt und machen das Leben leicht. Aber sie sorgen auch dafür, daß man ungern Neues angeht. Alles Neue birgt Risiken und die will man lieber vermeiden. Dabei ist der Satz ''Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr'' schon lange neurologisch widerlegt. Verknüpfungen werden nahezu unabhängig vom Alter immer neu gebildet, wenn, ja wenn man das Gehirn dazu auffordert.

Also nehmen Sie sich die Zeit und gehen Sie Neues an, lernen zum Beispiel ein Instrument spielen (fast optimal wegen der Kombination aus auditiven, visuellen (Notenlesen) und feinmotorischen Herausforderungen) oder fangen Sie an zu malen oder bilden Sie sich weiter in einem Fach, das Ihnen liegt. Ein guter Weg ist auch zusätzlich täglich ein paar Minuten konzentriertes Gehirntraining zu absolvieren, wie wir es anbieten (siehe oben). Man ist sich heute ganz sicher, daß diese Vorschläge die beste Vorbeugung sind. Trauen Sie nicht dem Versprechen, daß es einfach duch Einwerfen einer Tablette geht. So einfach läßt sich das Gehirn nicht übertölpeln.

copyright Friedrich Haugg


>> Zurück