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Blog vom 09.10.2012 - über das Wandern

Ich kann sie nicht leiden, die Jogger mit Baseballmütze, durchgestyltem Outfit, Knopf im Ohr und Blutdruck- und Herzfrequenzmesser am Arm, und enorm wichtig fürs Gesamtbild: die Wasserflasche am Geschirr. Warum ich das nicht leiden kann? Erstens unterliegen sie ganz offensichtlich dem Diktat einer riesigen Produkt-, Werbungs- und Medienindustrie (kein amerikanischer Film ohne Jogger!), zweitens sehen und hören sie nichts von der Umwelt, in der sie sich bewegen und drittens tun sie nicht wirklich etwas Gesundes, sondern sind getrieben von den Normen ebenjener Industrie. Lange Strecken Laufen ist nämlich nicht wirklich gesund. Lediglich die unglaubliche Anpassungsfähigkeit unseres Körpers (und Wollens) erlaubt diese Leistungen. Der ständige Zwang sich zu verbessern führt nicht selten zu großen Schäden, die man kleingedruckt in den Medien auch wiederfinden kann.

Und ich kann Sie nicht leiden, die Nordic Walker mit Ihrem Klick-Klack auf ebenem Asphalt und allem Weiteren wie oben.

Ich wandere schon seit ich denken kann mit meinem Hund und ohne MP3 durch die wunderschöne Natur, in normaler Kleidung und benutze meine Skistöcke nur in unwegsamem Gelände, wenn ich mich mal auf einen Berg begebe. Und stelle dabei fest - wenn ich es einige Zeit nicht tun konnte - daß meine Leistungsfähigkeit dadurch besser wird, meine Laune spürbar steigt, die Herzfrequenz auch in Ruhe sinkt und höchstwahrscheinlich auch der Blutdruck. Außerdem wird der Gürtel dann etwas weiter. so daß ich ihn enger schnallen kann und mich dabei wohl fühle.

Das ist natürlich reichlich subjektiv - bis jetzt: Denn jetzt weiß es auch endlich die Wissenschaft ganz genau:

In einer Studie des Instituts für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung e.V. (ILUG) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Leitung von Prof. Kuno Hottenrott konnte gezeigt werden, daß Wandern wesentliche Parameter wie Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit, Blutdruck, Body Mass Index (BMI) und Herzfrequenz deutlich verbessern. Die Studie beweist außerdem, daß die Gesundheitswanderkurse den Kernzielen des Präventionsprinzips ''Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität'', einem Projekt des Spitzenverbands Bund der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gerecht werden.

Aha: Man kann Bewegungsmangel durch Bewegung reduzieren. Darauf wäre ich allein nicht gekommen.

Und hier ist er nun in aller Pracht und Herrlichkeit: der ''zertifzierte Gesundheitwanderführer''!

„Gesundheitswanderführer/Innen (GWF) sind vom Deutschen Wanderverband (DWV) ausgebildete und autorisierte Wanderführerinnen und Wanderführer, die neben den Qualifikationen als WF (Wanderführer) gesundheits-relevante Inhalte zu Prävention und Gesundheitsförderung durch aktive Übungen, Wissensvermittlung und Verhaltensänderung im wanderspezifischen Umfeld (Setting) nachhaltig vermitteln. Dabei ist das Ziel der GWF nicht nur die Reduzierung von Bewegungsmangel sondern auch die Vermittlung eines positiven Körper-Geist-Seele-Erlebens, das beim und durch das Wandern erfahrbar gemacht wird und sich auf das Alltagsverhalten im Sinne eines positiven Aufbaus von Gesundheitsressourcen bemerkbar macht.“ GWF können per Definition WanderführerInnen des DWV und speziell dafür geschulte PhysiotherapeutInnen, als Expert/-innen für Bewegung, Prävention und Gesundheitsförderung sein.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer:

Was ich auch noch feststelle und die Studie nicht, ist, daß ich besser denken kann und zusammen mit meinem Gehirntraining Gedächtnis, Wahrnehmung, Reaktion und Koordination spürbar verbessere. Ganz im Sinne des Ergebnisses von Prof. Spitzer: ''Körperliche Betätigung erzeugt neue Gehirnzellen, ohne Gehirntraining sterben sie aber wieder ab.''

Also: Nix Tabletten - hilft nämlich nicht (Verzeihung Tebonin, Gingko biloba etc.)!! Man muß selbst was tun. Ihr Körper und Ihr Gehirn mögen das am Liebsten. Auf geht's!

copyright Friedrich Haugg


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